Einmal O und zurück für mehr Kreativität

Beim Suchen nach Kreativitätstechniken bin ich auf die „oblique strategies“ von Brian Eno und Peter Schmidt aus den 1970ern gestoßen. Dabei handelt es sich um einen Satz Karten mit Aphorismen, Anregungen oder Strategien für Künstler, um über ein Thema neu nachzudenken und kreative Blockaden aufzulösen.

Diese Denkanstöße reichen von konkreten „Anleitungen“ wie (Beispiele zitiert aus dem Windows ZIP Archiv, meine Übersetzung):

  • Schau dir die Reihenfolge an, in der du die Dinge tust

über Bilder

  • Brücken (brennen)

zu Wort-Bedeutungs-Assoziationen wie

  • Kurz schließen (Beispiel: ein Mann isst Erbsen in der Hoffnung, seine Männlichkeit zu steigern. Dann schüttet er sie sich direkt in den Schoß)

Man muss schon ziemlich um die Ecke – oder vielleicht auch einmal im Kreis herum – denken, um diese Denkanstöße mit einem konkreten Thema, an dem man sitzt zu verbinden. Aber genau dadurch, dass man sich gedanklich so verbiegen muss, kommt man auf ungewöhnliche Ideen.

Wer es etwas systematischer mag, dem sagt vielleicht das Thinkpak von Michael Michalko zu. Hier geht es darum, Bestehendes zu variieren und zu modifizieren. Dazu gibt es auf 45 Karten neun Strategien, die man sich mithilfe des Akronyms aus den Anfangsbuchstaben merken kann. Scamper bedeutet auf Deutsch so etwas wie flitzen, huschen, umhersausen.

–          Substitute something – also etwas durch etwas anderes ersetzen

–          Combine it with something else – Dinge miteinander kombinieren

–          Adapt something to it – etwas anpassen

–          Modify or Magnify – etwas vergrößern oder verändern

–          Put it to some other use – “zweckentfremden”

–          Eliminate something – etwas weglassen

–          Reverse or Rearrange it – Dinge neu andordnen oder umdrehen

 

Auf den einzelnen Karten des Thinkpaks werden die Strategien jeweils konkretisiert. Klingt vielleicht abwegig, aber man kann diese Denkanstöße auch auf das Entwickeln von Geschichten oder sogar die Suche nach dem besten Ausdruck, also das Überarbeiten von Texten, anwenden.

Und schließlich darf die App dazu nicht fehlen. Oflow orientiert sich dabei an den oblique strategies und gibt Denkanstöße wie „Geh duschen“ oder „Arbeite im Dunklen“, aber auch „Frage dich, warum du etwas nicht machst. Wie beeinflusst das dein Projekt, an dem du gerade arbeitest?“ Spätestens da müsste eigentlich das schlechte Gewissen so groß sein, dass man sich freiwillig wieder an den Schreibtisch setzt – oder vor lauter Scham erst recht den Kopf in den Sand steckt. Kann man nur hoffen, dass man dort vorher ein Kärtchen mit einer passenden Anregung vergraben hat.

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