2 Apps, 4 Webseiten und 1 dickes Lob für einen besseren Schreibstil

Wer hätte das nicht gern: eine App oder eine Software, die automatisch die eigenen blinden Flecken beim Schreiben ausleuchtet. Plötzlich streichen sich die „irgendwie“s , die „einerseits“ und „andernfalls“ und alle anderen Füllwörter automatisch, Wortwiederholungen werden angezeigt und Alternativen vorgeschlagen, schwerfällig Prosa wird gekennzeichnet.

Zwei Apps versprechen hier Abhilfe. Wie häufig kommen diese aus den USA. Die Hemingway-App hat sich zum Ziel gesetzt, blumige Texte auf Hemingway-Niveau zusammenzustreichen. In seiner sehr ausgewogenen Kritik im New Yorker, erläutert Ian Crouch, was die App kann (Textstellen identifizieren, in denen die eigene Eitelkeit die Oberhand behält) und wo ihre Beschränkungen liegen (nicht alles in einem Text lässt sich auf das Streichen von Adverbien und Adjektiven reduzieren). Zurzeit (Stand Juli 2014) ist die App nur auf Englisch erhältlich. Writer Pro hingegen gibt es auch für Texte in deutscher Sprache. Allerdings habe ich mich nach einer vernichtenden Kritik dagegen entschieden, die 17,99€ hinzublättern, die die App kostet. Die Mac-Version soll besser sein.

Ein vergleichbares Programm für die deutsche Sprache findet man bei stilversprechend. Dort kann man seinen Text auf Lesbarkeit untersuchen lassen. Diese wird nach der sogenannten Flesch-Formel berechnet. Vereinfacht gesagt gilt: je kürzer die Wörter und je kürzer die Sätze, desto leichter ist ein Text zu verstehen. Dass das nicht immer mit literarischer Qualität oder Unterhaltsamkeit eines Textes gleichsetzen lässt, wurde bereits erwähnt.

Eine Analyse der ersten Seite von Kafkas Prozess ergibt einen Flesch-Wert von 65, was dem Niveau eines Kochrezepts entspricht. Außerdem markiert das Programm verschiedene andere Stolpersteine eines Textes wie z.B. lange Wörter, Floskeln, Wortdoppelungen und Satzanfänge mit „es“. Alles in allem ein brauchbares Werkzeug, um die eigene Prosa kritisch zu betrachten. Wer gezielt seinen Text auf Füllwörter durchforsten will, ist mit dem Schreiblabor gut bedient. Zudem kann man dort das Geschriebene auf Anglizismen oder spezifische Phrasen durchleuchten lassen. Mit Sicherheit hilfreich, wenn man seine eigenen Schwachpunkte bzw. Lieblingsphrasen bereits kennt.

Schließlich kann man auf „Ich schreibe wie“, seinen eigenen Text auf stilistische Ähnlichkeiten mit berühmten Autoren untersuchen lassen. (Wer mehr über die Hintergründe erfahren möchte, sei auf einen Artikel der FAZ dazu verwiesen). Zeruya Shalev schreibt danach wie J. K. Rowling. Das überrascht. Aber ich schreibe anscheinend ebenfalls wie J. K. Rowling. Bedeutet das, dass ich wie Zeruya Shalev schreibe? Damit wäre ich sehr, sehr zufrieden.

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