Unstuck: DIY-Münchhausen für das iPad

Hans Eberspächer, Professor für Sportwissenschaft und Sportpsychologie, beschreibt in seinem Buch „Mentales Training: Das Handbuch für Trainer und Sportler“ eine Form der Aufmerksamkeit, die er „Konzentration in der Zeit“ nennt. Damit meint er die Fähigkeit, sich auf die im jeweiligen Moment anstehende Aufgabe voll zu konzentrieren. Geschieht das nicht, bringt der Sportler oder die Sportlerin nicht die optimale Leistung. Statt sich auf den richtigen Absprung, den optimalen Anlauf oder die korrekte Armhaltung zu konzentrieren, denkt der Leistungssportler oder die Leistungssportlerin über die Folgen ihres Handelns nach – und verliert die Konzentration.

Dieses Nachdenken über die Folgen statt über die anstehende Aufgabe klingt wie die klassische Schreibblockade (oder das Lampenfieber, die Prüfungsangst, das Stottern beim ersten Date). Man ist so in der Spirale der Selbstzweifel gefangen, dass man sich nicht mehr daraus befreien kann.

Die App Unstuck verspricht hier Abhilfe. Sie ist nicht nur hübsch gemacht, sie bietet auch Schritt-für-Schritt-Anleitungen, wie man sich am eigenen Schopf aus dem Morast ziehen kann. In drei Schritten verspricht Unstuck genau dieses: das Feststecken wieder umzukehren.

Am Anfang steht die Selbsterkenntnis: ja, ich stecke fest. Als Nächstes wird anhand einer Reihe Fragen der eigene Festsitztyp ermittelt. Für mich bot sich hier der erste Aha-Effekt, ging ich doch bis dahin davon aus, dass jedes Festsitzen gleich war. Das Nachdenken über die verschiedenen Typen lockerte bereits einige festgefahrenen Gedanken.

Im dritten Schritt werden dann Aktionen und verschiedene Werkzeuge je nach Festsitztyp vorgeschlagen. Manchen hilft planen weiter, anderen ein Abwägen von Pro und Kontra, wieder anderen, wenn sie die aktuellen Situation aufmalen usw.

Das Ganze ist sehr ansprechend gemacht, man kann sich nicht zu einfach durch die Fragen durchmogeln, sondern wird immer wieder zum Nachdenken gezwungen. Aber wie immer gilt: garbage in, garbage out, oder umgekehrt formuliert: je mehr man in den Prozess des Nachdenkens investiert, desto mehr bekommt man auch heraus.

Abschließend sollte ich vielleicht noch erwähnen, dass dies App in Lebenskrisen und anderen Extremsituationen selbstverständlich professionelle Hilfe nicht ersetzt (und auch nicht vorgibt, dies zu tun).

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