Der kleine Unterschied

Worin unterscheiden sich Bestseller wie Marc Elsbersgs ZERO von literarischen Texten? Dieser Frage versuche ich mithilfe diverser Stilanalysen statistisch auf den Grund zu gehen.

Zur Erinnerung: die von James Smith in dem Buch Fiction Writer’s Brainstormer vertretene These lautet: Bestseller unterscheiden sich von weniger erfolgreichen Büchern vor allem durch die kürzeren Wörter.

In meinem Beitrag Muss gute Literatur unverständlich sein? habe ich die Bachmann-Preisträger der letzten zehn Jahre auf Satz- und Wortlänge, Lesbarkeit und die Verwendung von Passiv untersucht. Jetzt geht es darum, dasselbe für deutschsprachige Bestseller zu überprüfen.

Nachdem ich letzte Woche daran gescheitert bin, eine für diese Zwecke brauchbare Liste von deutschsprachigen Thriller-Autoren zusammenzustellen, sehe ich jetzt vor lauter Buchstaben den Text nicht mehr. Im Gegensatz zu den Texten der Bachmann-Preisträger, die alle online als Word-Datei verfügbar und somit leicht auswertbar sind, ist dies bei den aktuellen Bestsellern nicht der Fall.

Wenn ich die Texte abtippe, dauert es Stunden, um ausreichend Material für eine Stilanalyse zu erhalten.  Das ist also keine Option. Bleibt Texterkennung oder OCR.

Es gab dazu mal ein Programm, das sich in der Zwischenzeit aber nicht mehr unter MS Office Scanning befindet, sondern Teil von MS OneNote geworden ist. Da ich vor kurzem auf Windows 8 umgestiegen bin, kann ich One Note aber nur aufrufen, wenn ich ein MS Konto eröffne – was ich nicht will. Ich ertappe mich dabei, wie mich nach etwas Werfbarem umschaue, knautsche dann aber doch lieber meinen Stressball zusammen, schließlich habe ich gestern erst mein Arbeitszimmer aufgeräumt.

Mir fällt eine weitere, ärgerliche Voreinstellung von Microsoft ein, die sich jetzt als nützlich erweist: als Standarddrucker ist nämlich One Note eingestellt. Druckt man „dorthin“, öffnet sich das Programm, ohne dass man ein MS Konto verwenden muss.

Jetzt nur noch schnell gescannten Text Seite für Seite als TIFF-Datei gespeichert, in One Note eingefügt, kopiert und in Word mit der Option Bild als Text einfügen eingesetzt, sämtliche Fehler korrigiert, die Zeilenumbrüche händisch angepasst und voilà: Fertig ist der zu analysierende Text. (Wem das zu schnell ging, kann das hier bei Oliver Gast nochmals nachlesen.)

Ich beginne mit Marc Elsbergs ZERO. Es sind zwar nur etwas über 11.000 Zeichen, aber das muss für eine Stilanalyse und für heute reichen.

Und das ergab die Analyse, die wie auch beim letzten Mal mithilfe des Schreiblabors erfolgte. In Klammern die Durchschnittswerte für die Bachmannpreisträger.

Zeichen pro Wort 6,97 (6,36)
Wörter pro Satz 9,73 (18,29)
Anteil langer Sätze  0,6% (16,0%)
Anteil langer Wörter  6,0% ( 3,3%)
Anteil unterschiedlicher Wörter 48,9% (35,2%)
Anteil Füllwörter  2,3% ( 6,0%)

Es sieht so also aus, als ob Marc Elsbergs Thriller längere und auch mehr unterschiedliche Wörter verwendet, als die Bachmannpreisträger, aber kürzer und generell weniger lange Sätze.

Eine Analyse weiterer Thriller-Bestseller wird ergeben, ob das ein genereller Trend oder spezfiisch für Elsbergs Schreibstil ist. So viel steht aber auf jeden Fall schon fest: Die Texterkennung von Microsoft ist nicht schneller als das Abtippen (zumindest wenn man einen fehlerfreien und verständlichen Text haben möchte).

 

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4 Gedanken zu “Der kleine Unterschied

  1. Ich muss Ninespo da wirklich zustimmen! Du verfolgst wirklich interessante Themen – und ich bin froh, dass du das tust und die Ergebnisse hier so schön zusammen fasst, so kann ich etwas lernen mit wenig Zeitaufwand 😀 😀 😀 Also vielen, vielen Dank für diese tolle Leistung!

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