Nichts als Blabla

Nachdem ich in den letzten Wochen mithilfe des Schreiblabors die unterschiedlichsten Texte analysiert habe, darf ein Hilfsmittel zur Stilanalyse natürlich nicht fehlen: das Blablameter.  Laut Webseite misst das Blablameter, wie viel heiße Luft ein Text enthält und errechnet daraus den sogenannten Bullshit-Index.

Schauen wir uns mal an, was die Analyse verschiedener Texte ergeben hat:

Ich beginne, mit der momentan an erster Stelle stehenden Geschichte auf SPIEGEL ONLINE, in der es in der Tat um potenziell heiße Luft geht, nämlich um Russlands angedrohtes Überflugsverbot für westliche Fluggesellschaften. Das Blablameter misst einen Bullshit-Index von 0,4 – was ein deutliches Anzeichen von heißer Luft sei. Zugegeben, das hätte ich nicht erwartet.

Als Nächstes teste ich einige der Bachmannpreisträger.

Kathrin Passigs Text erreicht einen Wert von 0,1 – also keine Bullshit-Gefahr. Tex Rubinowitz, der diesjährige Preisträger, liegt sogar noch darunter (0,03). Uwe Tellkamp fällt auch hier aus dem Rahmen: das Blablameter verweigert die Aussage. Der Text könne keiner Analyse unterzogen werden.

Marc Elsbergs ZERO liegt bei 0,2 und zeige laut Blablameter erste Hinweise auf „Bullshit“-Deutsch, liege aber noch im akzetablen Bereich.

Das Blablameter untersucht nach eigenen Angaben vor allem, ob der Text im Nominalstil gehalten ist, d.h. ob Verben zu Substantiven werden (aus „weigern“ wird Weigerung, aus „fragen“ „Befragung“ usw). Das erklärt zumindest zum Teil, warum der Spiegel-Text einen vergleichsweise hohen „Bullshit“- Wert ausweist. Der Nominalstil findet typischerweise Verwendung in Sachtexten (wie zum Beispiel in diesem Satz).

Wer eine gute Geschichte erzählen will, greift lieber auf aktive Verben (Verbalstil) zurück und vermeidet Behördendeutsch. Es sei denn, es wird wie bei Albert Drachs „Untersuchung an Mädchen“ geradezu zum Stilmittel erhoben.

Wer nicht nur Texte, sondern auch dazugehörige Illustrationen und Präsentationen Blablaba-frei gestalten möchte, dem sei das Buch „Blablabla“ von Dan Roam empfohlen.

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8 Gedanken zu “Nichts als Blabla

  1. Deinen Artikel finde ich genial. Aber mal ehrlich, gibt einen einen nachweisbaren vertretbaren Grund für ein Programm das den BlaBla-Index ermittelt? Was das Internet nicht so alles hervorbringt. Aber wenigstens haben wir so etwas zu schmunzeln, gell 🙂

    LG
    Kathleen

    P.S. Liebe Grüße vom #‎BuBlo14‬

  2. Da musste ich jetzt doch schnell mal meinen Prolog durchjagen – und ich scheine gar nicht mal so schlecht abzuschneiden!
    „Ihr Text: 3960 Zeichen, 631 Wörter
    Bullshit-Index :0.05
    Ihr Text zeigt keine oder nur sehr geringe Hinweise auf ‚Bullshit‘-Deutsch.“
    Da bin ich ja erleichtert! Ein witziges Ding, dieses Blablameter – aber hinter der witzigen Fassade steckt tatsächlich etwas Nützliches! Danke für den tollen Link!

  3. Hahaha, ein BlaBla-Meter? Schon bei der BILD angewandt? Sehr genial. Allerdings würde ich interessieren, wie das BlaBla-Meter tatsächlich misst, was Bullshit ist, und was nicht 😉
    So manch „Blabla“ kann literarisch gesehen ja eigentlich sehr wichtig sein, mag das Blabla-Meter Poeten? Das müsste man mal untersuchen.. Ich traue mich gar nicht so recht, es auf meine Artikel anzuwenden, denn oftmals plaudere ich aus dem Nähkästchen, das hat sentimentalen Wert, aber sicher keinen informativen 😛

    Liebe Grüße
    Yasmin

    1. Ich glaube nicht,mdass das Blablameter für Gedichte funktioniert. Aber ich kann’s ja mal ausprobieren. Und wer sagt denn, dass sentimale Geschichten nicht informativ sind. Sie verraten in der Regel ziemlich viel über die Autorin ;).

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