James V. Smith: Fiction Writer’s Brainstormer

Auf Sätze & Schätze bin ich neulich unter der Rubrik #VerschämteLektüren auf das Blog Elementares Lesen aufmerksam geworden. Petra Wiemann bespricht dort Sachbücher, die sich „von den Elementarteilchen bis zu den chemischen Elementen, vom Mikrokosmos bis zum Universum, vom Urknall bis in die Zukunft“ mit den unterschiedlichsten Sachthemen befassen. Eine großartige Idee. Sie hat mich dazu inspiriert, eine neue Rubrik zu eröffnen und in loser Folge Sachbücher zum Thema Literatur und Sprache zu besprechen.

Beginnen möchte ich mit dem bereits mehrfach erwähnten Buch „Fiction Writer’s Brainstormer“ von James V. Smith, Jr. Was mich an dem Schreibratgeber so fasziniert, ist die Konsequenz und Hartnäckigkeit, mit der Smith den metaphorischen Meterstab an Sprache anlegt.

FictionWritersBrainstormer

Smith beginnt das Buch mit zehn Strategien für besseres Schreiben. Dazu gehört zum Beispiel, sich absurd hohe Ziele zu setzen. Frei nach dem Motto: wenn man sich die Ziele zu niedrig steckt, kann man am Schluss nur unten durch kriechen.

Im zweiten Teil des Buchs geht Smith die Bausteine einer Geschichte bzw. eines Romans durch. Von der groben Struktur der Geschichte in zehn Schlüsselszenen über Karteikarten zu den wichtigsten Merkmalen einer Figur bis zu Übungen, um einzelnen Absätzen, Phrasen oder Begriffen den nötigen Feinschliff zu verpassen, ist alles vertreten.

Was Smiths Buch von anderen Schreibratgebern unterscheidet, ist die Gründlichkeit, mit der jeden Baustein auseinandernimmt, wieder zusammensetzt, erneut analysiert, bis er mit dem Ergebnis zufrieden ist. So enthält die Character Card, wie auch in anderen Ratgebern üblich, eine kurze Biografie und die wichtigsten physischen Merkmale der Figur. Das ergänzt Smith um die Kategorie „charakteristische Sprache“, damit die Figur im Roman nicht wie alle anderen klingt oder – schlimmer noch – wie der Autor bzw. die Autorin.

Wünsche und Motivation der Figur unterteilt er in die Kategorien Mission – Duty (Mission/Lebensaufgabe – Pflicht), Career – Selfish (Karriere  – Selbstinteresse), Romance – Sexual (Liebe – Sex) und Quirks (Eigenheiten /Schrullen der Figur). Jedes dieser Begriffspaare bohrt Smith noch weiter in dem sogenannten Personality Evaluation Tool (Persönlichkeits-Bewertungsschema) auf:

PersEvToolRomanceSex

Die Autorin bzw. der Autor kann also ankreuzen, wo sich die Figur auf diesem Spannungsbogen bewegt.

Man mag jetzt die Stirn runzeln und sich fragen, ob eine derartig „mechanische“ Herangehensweise an Texte sinnvoll ist. Vielleicht nicht, und mit Sicherheit nicht für jeden Text. Eines aber erreicht es: man zwingt sich, gründlicher und tiefer über die eigene Geschichte nachzudenken als zuvor. Und das schadet in der Regel keinem Text.

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2 Gedanken zu “James V. Smith: Fiction Writer’s Brainstormer

  1. Das freut mich, dass so über die verschämten Lektüren Bloggerkontakte und sogar die Inspiration zu neuen Rubriken entstehen! Zudem ist diese Rubrik – Sachbücher zu Literatur und Sprache – eine, die ganz gewinnbringend sein kann, wie schon die erste Besprechung zeigt. Danke!

    1. Ja, ich finde es auch schön, so auf neue, interessante Dinge gestoßen zu werden. Ganz abgesehen davon, dass ich die Idee der verschämten Lektüren sowieso schon genial finde ;-).

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