Kick it like Beckett

Schreibkicks sind ein beliebtes Mittel, um sich aus einer mentale Sackgasse heraus-zumanövrieren. Heute möchte ich Write Sparks! von Shery Arrieta-Russ vorstellen. Seit Jahren schon migriere ich dieses kleine Programm bei jedem Computerwechsel von Festplatte zu Festplatte. Es macht den Nutzer vielleicht nicht gleich zu einem Samuel Beckett, aber wenigstens muss man nicht mehr auf Godot warten, um Einfälle zu bekommen.

Write Sparks“ Lite enthält sieben sogenannte „Generatoren“, die unterschiedliche Story-Trigger vorgeben

  1. Anfangssätze (first line generator)
  2. Klischee-Trigger (cliche starter generator)
  3. Metaphern-Mix (mixed metaphors generator)
  4. Sprichwörter-Mix (mixed proverbs generator)
  5. Wörter-Zufallsgenerator (random story words generator)
  6. Was wäre, wenn- Geschichten (what if story generator)
  7. Schnellstarter (quick prompts generator)

448908_web_R_by_Gerhard Frassa_pixelio.de

Es gibt ein Eingabefeld mit einem Timer, sodass man sofort nach Auswahl eines Triggers losschreiben kann. Einige der Trigger sind selbsterklärend und man kennt sie aus (anderen) Apps. So spuckt der Zufallsgenerator eine Reihe von Wörtern aus, die man in seine Geschichte einbauen soll, der „Was wäre, wenn“-Trigger gibt ein Szenario vor, z.B.

WhatIf

Genau genommen handelt es sich dabei nicht um ein „Was-wäre-wenn-Szenario“, darunter würde ich eher so etwas verstehen wie

Was wäre, wenn es kein Papier mehr gäbe (weil alles nur noch digital notiert würde) oder

wenn jeder Mensch sich mit Eintritt in die Pubertät einem Konsumkonglomerat anschließen müsste, also z.B. die „Nike“ versus die „Addidas“-Anhänger

Interessant aus meiner Sicht sind die Trigger 2 – 4. Das Programm ist ja auf Englisch und somit nur begrenzt brauchbar für Deutschschreibende – würde man denken. Denn gerade die Trigger 2 – 4 setzen die Kreativität in Gang, wenn man versucht, die Pendants der Klischees, Metaphern und Sprichwörter auf Deutsch zu finden.

Open a can of worms – Eine Dose mit Würmern öffnen??

Dann schon eher Pandoras Büchse öffnen. Schon schwieriger:

better light a candle than curse the darkness

Mir wäre auf Anhieb kein vergleichbares, deutsches Sprichwort bekannt. Man muss also über die Bedeutung nachdenken, ein anderes Bild finden, um die Ecke denken und schon ist man da, wo man beim Schreiben gern sein möchte: beim bildhaften Formulieren, beim klassischen „show, don’t tell“.

Gleichzeitig beginnt man, die gewohnten Bilder zu hinterfragen. So wird zum Beispiel aus „jumping out of the frying pan and into the fire“ ein „vom Regen in die Traufe kommen“. Eine ziemliche andere Bildsprache. Der Metaphern- und Redewendungs-Mix setzt noch eins drauf: Hier werden Sprichwörter zerstückelt und neu zusammengesetzt. Ein bisschen wie in der Krimiserie Die Brücke (dort wird eine zusammengesetzte Leiche gefunden). Eine schönes Bild, um eine Figur zu charakterisieren.

Und wenn wir schon bei den Bildern sind: Es lohnt sich auch immer wieder mal, Redewendungen in die Bildersuche bei Google oder – ebenfalls zu empfehlen – bei Qwant einzugeben. Eine Suche zum Thema „Streit schlichten“ oder „Konflikt vermeiden“ liefert dann zum Beispiel eine Hand, die sich zwischen fallende Dominostein schiebt und so verhindert, dass noch mehr umfallen.

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5 Gedanken zu “Kick it like Beckett

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