Einen Flunsch ziehen – schnell und effizient

In der amerikanischen Science Fiction-Zeitschrift Analog gab es vor länger Zeit eine Kurzgeschichte, in der Autismus die Norm war, und das, was wir als „normales“ (im Sinne von am häufigsten vorkommendem) Sozialverhalten bezeichnen, die Ausnahme war. In dieser Geschichte konnten die meisten Kinder sofort erkennen, wie viele Erbsen auf dem Küchenboden verstreut waren, wenn sie aus Versehen die Schüssel fallen ließen. Dafür konnten sie die Mimik eines Menschen nicht deuten. Ganz anders die Hauptfigur, ein junges Mädchen. Es erkannte sofort, dass der finstere Kerl, der gerade die Bank betrat, Übles im Sinn hatte, auch wenn es nicht angeben konnte, um wie viel Grad der seine Mundwinkel nach unten gezogen hatte. Das Mädchen schlug Alarm und der Bankräuber konnte dingfest gemacht werden, bevor er jemanden verletzte.

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Eigene Zeichnung; iPad / Paper 53 im Stil von Mauro Entrialgo

An einer Stelle der Geschichte sinniert der Erzähler darüber, dass Emotionen doch eine sehr effiziente Art seien, komplexe Informationen zu vermitteln. Es braucht nur ein Stirnrunzeln und schon ist dem Gegenüber klar, dass hier jemand noch nicht ganz überzeugt ist. Versucht man hingegen, diese geringfügigen Änderungen oder Mikromimik zu beschreiben, wird es schnell umständlich oder platt. Einfacher wäre es, den Gesichtsausdruck bildlich darzustellen. Ich habe mir schon oft gewünscht, ich könnte gut und schnell genug zeichnen, um eine Szene, die ich beobachte zu skizzieren. Jetzt habe ich mich dran gesetzt, diesen Wunsch ein bisschen mehr in Richtung Wirklichkeit zu schieben und mir eine Reihe von Büchern zum Thema „Visualisieren“ angesehen.

Zunächste einmal die gute Nachricht: Auch als Unbegabte(r) kann man zeichnen (lernen). Das ist zugleich die schlechte Nachricht: Ohne Üben geht es nicht. Und das dauert Zeit. Im Folgenden ein paar Hilfmittel.

Jessica Abel & Matt Madden (schon mal hier erwähnt) zeigen in Drawing Words & Writing Pictures wie man selbst mit Strichmännchen (erste) Geschichten erzählen kann. In fünfzehn Lektionen steigert man sich dann bis zum fertigen Comic. Wer bei den Strichmännchen bleiben will, aber trotzdem nach einem eigenen Stil sucht, findet bei Markus Wortmann Anregungen in der Art japanischer Tuschezeichnungen.

Vorlagen für einfache Gesichter, zum Beispiel auf Basis von Ziffern, bietet Michael Bergs schmales Bändchen Wie zeichne ich Cartoons und Karikaturen. Ansprechende Männchen (und Weibchen) in allen Lebenslagen finden sich bei rocketpics.net. Dazu gibt es eine App mit über 2.000 Illustrationen, die man nach Stichwörtern durchsuchen kann. Allerdings ist die App mit 16,99 € nicht ganz billig, dafür darf man die Zeichnungen unter Angabe der Quelle in den eigenen Arbeiten verwenden. Oder man kann sie als Vorlage benutzen, und seine eigenen Figuren entwickeln.

 

 

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2 Gedanken zu “Einen Flunsch ziehen – schnell und effizient

  1. Ich habs probiert, schon allein beruflich, aber nichts zu machen. Selbst normales Schreiben bereit mir unendliche Schwierigkeiten. Ich brauch auf jeden Fall eine Maus und Tastatur

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