Birds do it, bees do it…

Sportjournalisten tun es, Frauen in Seitensprung-Portalen tun es und die freundlichen Mitarbeiter einer Hotline tun es schon lange. So könnte man in Anlehung an Ella Fitzgeralds Song Let’s do it über den Einzug der Bots in alle denkbaren Formen der Textproduktion dichten.

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Der Schneemann vermutet sogar in manchen Zeitschriften-Redaktionen Bots:

Manche Rezensionen klingen, als hätte man sie mithilfe eines Automatismus erstellt
(Der Schneemann über das „Krimi“-Magazin)

Seit Kurzem haben auch Liebesromane das Interesse der Bots geweckt. Dazu hat Google erotische Liebesromane analysiert. 2.865 Romane später kam das dabei heraus:

He was silent for a long moment. He was silent for a moment. It was dark and cold. There was a pause. It was my turn. (zitiert aus Computerliebe, FAZ)

Das kann man selbst besser? Bleiwüsten stellt dazu das Programm Chatfuel vor – ein Chatbot zum Selberbasteln. Wie der real-existierende Autor in der Pro- und Contra-Auflistung am Ende des Artikels aufführt, hat das Programm allerdings noch einige Schwächen und ist eher kompliziert in der Einrichtung. Ich habe deswegen auf einen Praxistest verzichtet.

Worauf ich allerdings bei meiner Recherche für diesen Artikel gestoßen bin, ist die App Virtual Dialogue Set. Sie kommt in den sozialen Berufen zum Einsatz und soll – wenn ich das richtig verstehe –insbesondere bei Gesprächen mit Kindern unterstützen.

Man kann eine Art Familienaufstellung machen und den Figuren dann Sprechblasen zuordnen. Was ich ganz interessant finde, sind die unterschiedlichen Formate für die Sprechblasen. Man könnte das als Autor dafür verwenden, um zu unterscheiden

  • Was die Figur denkt
  • Was sie laut sagt
  • Was sie unterschwellig sagen will

und so Klarheit in die eigenen Dialogszenen bringen. Leider ist die Vollversion, die unter dem Titel „People in my life“ läuft, mit 26,99€ ziemlich teuer und die schönen Blubberblasenvariationen sind auf der Lite-Version nicht erhältlich. Ich habe deswegen etwas gebastelt, um das Prinzip zu veranschaulichen (hell sind dabei die Denk-, dunkel die Sprechblasen):

Neulich_im_Mediamarkt_Snapshot
Neulich im Mediamarkt

Ich glaube, das Prinzip ist klar. Wer die gesamte Animation dazu sehen will, kann das hier tun.

Menschengeschriebene Dialoge sind vielleicht auch nicht immer prickelnd, aber maschinengenerierte lassen definitiv noch zu wünschen übrig. So ist auch Microsofts Versuch, Dialog künstlich aufzupeppen, kläglich gescheitert:

Vom Twitter-Bot zum Hitler-Sympathisanten

titelte der sw3 über Microsofts Tweet-Bot, der „reden sollte wie ein Teenager“.

„Wartet nur“, höre ich die Stimme von AlphaGo in meinem Kopf: „Wer zuletzt lacht, lacht am besten“.

Werden uns die AlphaBots der Zukunft irgendwann doch so überlegen sein, dass sie uns wie Ameisen betrachten? Da kann man nur hoffen, dass Cixin Liu recht hat, wenn er am Ende seines Romans Drei Sonnen seine Hauptfigur sagen lässt (SPOILER ALERT):

Die Trisolarier [die Außerirdischen, die die Menschheit vernichten wollen], für die die Menschen nichts als Ungeziefer sind, haben eine wichtige Tatsache übersehen: Es ist noch nie jemand gelungen, dem Ungeziefer wirklich Herr zu werden (meine freie Übersetzung)

 

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