Lasst Tausend Ideen sprießen

Manchmal sitzt man an einem Gedanken und kommt und kommt einfach nicht weiter. Gerade noch meint man, die zündende Idee gehabt zu haben, und schon ist sie wieder entwischt und man jagt ihr nach wie der Hund seinem Schwanz. Deswegen suche ich immer wieder nach Ansätzen, eigene Denkblockaden zu durchbrechen. So bin ich neulich auf „80 Challenges to Sharpen Your Design Skills“ von David Sherwin gestoßen.  Ich bin keine Designerin, aber ich denke gerne in Bildern und lasse mich auch gern von Bildern inspirieren.

 

blumen
Ausschnitt Street Art an der S-Bahn-Station Baldham, München

Der Grundgedanken hinter dem Buch ist, dass Talent viel mit Intuition und diese wiederum viel mit Erfahrung zu tun hat. Das gilt mit Sicherheit auch für das Schreiben. Nun lässt sich die Lebenszeit und damit das Sammeln von Erfahrungen nicht so einfach beschleunigen. Aber man kann die Intuition schärfen, in dem man sich möglichst vielen verschiedenen Herausforderungen stellt. Genau das versucht Sherwin mit diesem Buch: Durch möglichst unterschiedliche „Design Challenges“ die eigene Intution schärfen.

Zu Beginn listet Sherwin eine Reihe nützlicher Kreativitätstechniken, die sich auch auf das Schreiben anwenden lassen. Gemäß dem Motto: Nichts ist schlimmer, als grenzenlose Freiheit, beginnt er mit dem sogenannten Timeboxing, das aus der Software-Entwicklung stammt. Durch fest vorgebene Zeitfenster (time boxes) soll planloses oder auch sich im Kreis drehendes Denken bzw. Generieren von Ideen vermieden werden. Man bricht eine Aufgabe in kleinere herunter und setzt sich jeweils dafür ein festes Zeitlimit. Zum Beispiel kann ich mir eine Viertel Stunde geben, um mir möglichst viele verschiedene Romantitel zu überlegen und eine weitere halbe Stunden, um aus den besten daraus drei Titel für die engere Wahl zu überlegen. Eine weitere Methode sind strukturierte Wortlisten. Ich habe sie etwas abgewandelt, um es auf die Entwicklung einer Romanfigur anzupassen.

Man teilt ein Papier in drei Spalten. Links listet man möglichst viele Begriffe, Wörter, Satzfragmente, die zu der Idee bzw. der Figur passen. Dann wählt man eine der Ideen bzw. einen Gedanken oder eine Formulierung aus und notiert in der mittleren Spalte, Wörter, Gedanken, Begriff, die wiederum dazu passen. Und schließlich hält man in der dritten Spalte gegenläufige Ideen zur ersten Spalte fest. Anschließend schaut man, welche Begriff bzw. Gedanken sich durch alle drei Spalten ziehen, z.B. das Thema Vater. Darauf kann man aufsetzen und im Beispiel die Rolle bzw. das Selbstverständnis des Vaters weiter beleuchten.

Eine weitere Methode, die helfen soll, frisch und unvoreingenommen auf die Dinge zu schauen ist das sogenannte „Brutethink“, was man vielleicht mit Brachialdenken übersetzen könnte. Sie stammt von Michael Michalko, eine ausführliche Beschreibung dieser Methode sowie des theoretischen Hintergrunds findet sich  in seinem Buch Thinkertoys. Die Methode funktioniert so, dass man sich zwingt, einen Zusammenhang herzustellen, wo (ursprünglich) keiner besteht. Man beginnt mit einem zufällig ausgewählten Wort, z.B. in dem man den Duden auf einer beliebigen Seite aufschlägt und blind mit dem Finger auf ein Wort tippt. Bei mir ergab das „fehlgehen“. Dann folgt der „brachiale“ Teil. Man zwingt sich, Verbindungen zwischen diesem Wort und die Figur oder die Situation herzustellen, über die man gerade nachdenkt. In dem gewählten Beispiel: fehlgehen klingt wie fremdgehen, könnte meine Figur fremdgehen, geht vielleicht ihre Chefin fremd und jetzt hat sie was gegen die in der Hand usw.?

Schließlich kann man Kreativitätstechniken auch dazu verwenden, die Sprache treffender, genauer zu gestalten. Rebecca McClanahan schlägt in ihrem Buch Schreiben wie gemalt Folgendes Vorgehen vor:

Man schreibe die ersten fünf Begriffe auf, die einem  zu einem Gegenstand, einem Ort oder einer Figur einfallen. Dann beschreibe man diesen Gegenstand, Ort oder diese Figur ohne, diese Begriffe zu verwenden.

Da muss man dann schon etwas kreativer werden.

 

 

 

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