Können Blogger Literatur?

Im Herbst letzten Jahres rief Tobias Nazemi vom buchrevier den Blogbuster-Preis ins Leben. Zusammen mit 15 anderen Literaturbloggern wollte er zeigen, dass es ihnen gelingt

ein neues, herausragendes literarisches Talent im Bereich Gegenwartsliteratur zu entdecken.

Gefragt waren fertige Manuskripte von Autoren, die bisher noch keinen Roman in einem Print-Verlag veröffentlicht hatten. Als Preis winkt ein Agenturvertrag mit der Literaturagentur Elisabeth Ruge und eine Veröffentlichung bei Klett-Cotta (im Tropen Verlagsprogramm). 252 Autoren haben mitgemacht.

PM_Blogbuster_252 Einsendungen
(c) Blogbuster-Preis / Presseinfo
Sophie Wiegand von Literaturen hat 40 Manuskripte bekommen, die sich „verblüffend ähnlich“ waren und um

Selbstfindungsbemühungen, Lebensüberdruss und Einsamkeit

drehten. Jochen Kienbaum von lustauflesen hat nichts gefunden, was ihn restlos überzeugt hätte. Es ist dafür umso interessanter zu lesen, was ihm gefehlt hat, um sich für einen Kandidaten oder ein Kandidatin ins Zeug legen zu können.

Katharina Hermann von kulturgeschwätz hat ihre Leserinnen und Leser regelmäßig an ihrem Lese- und Entscheidungsprozess teilnehmen lassen und sich für Lukas Verings „Air“ entschieden. Eine Leseprobe gibt es hier. Und zwar nicht nur vom Anfang, sondern auch von einer Textstelle dreihundert Seiten später. So dicht (und beklemmend) wie Vering in seine dystopische Welt einführt, stellt sich ja die Frage, ob der Autor das bis zum Schluss durchhält. Meine Meinung: Er tut’s.

Ganz anders – thematisch und stilistisch – kommt Daniel Faßbenders „Weltbeste Geschichte vom Fallen“ daher

Fallen ist sterben. Und nein, da fehlt kein wie. Fallen ist nicht wie sterben. Fallen ist sterben.

Der Text hat Birgit Böllinger (Sätze & Schätze) vom ersten Satz an mitgerissen. Ich muss zugeben, auch mich hat zunächst der Titel neugierig gemacht. Weltbeste Geschichte vom Fallen, was kann das schon sein? Und dann geht es so rasant und überraschend weiter, dass man definitiv Lust auf Mehr bekommt.

Der Kaffeehaussitzer hat 22 Exposees und Leseproben erhalten und stellt auf seinem Blog die fünf Kandidaten seiner persönlichen Shortlist vor. Letztendlich hat er sich dann für „Unter der Haut“ von Gunnar Kaiser entschieden. Der Roman

erzählt das Leben eines Mörders und verknüpft Zeitgeschichte mit der Geschichte einer Obsession.

Gérard von Sounds & Books hat sich für Ina Elbrachts Roman „Sie nannten mich den Mann mit den Goldenen Schuhen“ entschieden.

Ihre Übertragung von E.T.A. Hoffmanns „Elixiere des Teufels“ in die Moderne, genauer gesagt in die heutige Schlagerwelt, ist nicht nur eine wunderbare und mutige Idee, sondern auch noch dramaturgisch perfekt in Szene gesetzt.

Mariki vom bücherwurmloch war von Heike Dukens Rabenkinder begeistert. Sie schwärmt von „Sätzen, die wie Wurfsternen wirken“.

Bei so vielen, so spannend klingenden Texten wünscht man sich, dass der Klett-Cotta Verlag alle herausbringt. Auf jeden Fall lohnt es sich, durch die Leseproben zu schmökern und die Autorinnen- und Autorenportraits anzuschauen.

Man darf gespannt sein, wer es dann am 4. Mai im Literaturhaus Hamburg aufs Siegertreppchen schafft. Die Antwort auf die eingangs gestellte Frage kann man aber jetzt schon geben. Sie ist ein deutliches Ja.

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4 Gedanken zu “Können Blogger Literatur?

  1. Oh, danke sehr – für den Überblick zu allen Texten und beteiligten Autoren. Und für „meinen“ Autoren freut mich das ja besonders, dass Du Dich auch hast „mitfallen“ lassen – den Link leite ich gerne an ihn weiter. Herzliche Grüße, Birgit

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