Oh, so you is Walcott?

So lautet die Frage an den Dichter in dem Gedichtszyklus Sainte Lucie. Der Angesprochene fährt fort von den „blue-green […] lost valleys“, den blaugrünen verlorenen Tälern zu sprechen, von den Bananenfeldern und Frangipani, der Wachsblume, von „Martina, or Eunice or Lucilla […] her smile like the whole country“ und endet mit

O Martinas, Lucillas, / I’m a wild golden apple

that will burst with love / of you and your men, 

[…] crazy with the country

in dem er geboren wurde. Die Rede ist von Derek Walcott, Dichter und Schriftsteller aus St. Lucia in der Karibik. Walcott veröffentlichte sein erstes Gedicht 1944 mit vierzehn. Darin vertrat er die These, dass man mehr von der Natur und den Menschen über Gott lerne als von der Kirche. In dem überwiegend katholischen Land stieß dieser Gedanke des aus einer Methodistenfamilie stammenden Walcott nicht unbedingt auf Gegenliebe. 

Walcott studierte an der University of the West Indies in Jamaica zog anschließend nach Trinidad, wo er den Trinidad Theater Workshop gründ und ging 1982 an die Boston University in den USA. 

Walcott lässt die Karibik vor dem inneren Auge der Leserin oder des Lesers aufleuchten

The starved eye devours the seascape for the morsel / Of a sail – Aus: The Castaway

(In etwa: Das ausgehungerte Auge verzehrt sich nach einem Stück Segel auf dem Meer)

Er mischt immer wieder einheimische Klänge unter seine Gedichte wie zum Beispiel kreolische Volkslieder, gleichzeitig war er ein „believer in the discipline of strict forms“, also überzeugt von formaler Strenge in Gedichten (zitiert aus: Derek Walcott. Selected Poems.  Selected by Edward Baugh). Sein Gedichtsband White Egrets (2010; dt. weiße Reiher) ist bei Hanser in der Übersetzung von Werner von Koppenfels erschienen. 

Walcott wird auch der Homer der Karibik genannt. Mit Omeros hat er die Odyssee aus dem Blickwinkel der Karibik neu gedichtet. Dafür hat er 1992 den Nobelpreis für Literatur erhalten. Auszüge davon kann man hier lesen. Den Dichter selbst kann man auf lyrikline hören. Er ist dort mit insgesamt sechs Gedichten vertreten.

Walcott starb am 17. März dieses Jahres.
Foto: (c) Neil Steinberg

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