Sprache: Spiele ohne Grenzen

Die Wortspielerin stellte vor Kurzem die digitale Version des „Wörterbuchs für sprachliche Zweifelsfälle“ vor. Leider ist die Aktion dazu vorüber, sodass man den 1€-Download nur noch bekommt, wenn man sich das Buch dazu für 24,99 € kauft.  Ich habe mir die e-Book-Variante des Wörterbuchs aus der Stadtbibliothek geholt. Das sieht leider längst nicht so schick aus wie die von Kerstin Fricke alias @pbcat vorgestellte Download-Variante. In der Download-Variante kann man nach Themen gezielt nach Themen und Fragen suchen, z.B. zusammengesetzte Hauptwörter (Komposita). In der Buch-Variante (gedruckt oder als e-Book) sind sowohl einzelne Worte als auch Themen alphabetisch aufgelistet.

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Fragen zur deutschen Sprache kann man auch dem früheren Chef vom Dienst des Hamburger Abendblatts, Peter Schmachthagen, stellen (deutschstunde@t-online.de), der jeden Dienstag „über die Tücken der deutschen Sprache“ berichtet. Diese Woche wartet er mit einem Diktat auf, das es in sich hat und das genau 25 Mal. Hier kann man sich selbst daran versuchen. Das süddeutsche Pendant zu Schmachthagen bildet Christian Stang. Schon während seiner Schulzeit in Regensburg durchforstete er Wörterbücher nach Fehlern und meldet sie. Stang ist von Haus aus Postbeamter und bezeichnet sich selbst als „Handwerker unter Akademikern.“ Der SPIEGEL titelte 2012 über den Rechtschreibprofi „Karriere ohne Abitur.“ Fast meint man ein ungläubiges Staunen herauszuhören, aber vielleicht war es ja auch als Lob gedacht. Meine eigenen (bescheidenen) Versuche, mir die wichtigsten Regeln der deutschen Rechtschreibung anhand einer Geschichte zu merken, kann man hier nachlesen.

Wie so häufig, wenn jemand nicht den etablierten Pfaden folgt, sondern quer in ein Thema einsteigt, gibt es natürlich auch Kritik. Wie Heike Schmoll in der FAZ schreibt:

Es ist der alte Konflikt zwischen populärer Aufbereitung mit all ihren Defiziten und wissenschaftlicher Differenzierung.

Man kennt das ja aus der Literaturkritik-Debatte (interessante Beiträge dazu hier und hier). Auch da freut sich Erna Normalverbraucherin über neue Ansätze, die fundierte Kritik mit unterhaltsamer Darbietung verbindet wie z.B. mit dem Page-99-Test (ebenfalls tell review).

„Früher war alles besser, das werden Sie bei uns nicht hören“, so lautet einer der Werbeslogans des jüdischen Café Leonar in Hamburg (Jung von Matt, grafische Umsetzung: Julia Stoffer). Beim Erlernen von Schreibschrift scheint das allerdings zu gelten, wie die Autoren von „Wer nicht schreibt, bleibt dumm“ ausführen. Bis auf das Einleitungskapitel höchst lesenswert, meint Wolfgang Krischke von der FAZ.

Der texanische Autor und Künstler Austin Kleon sagt: „Drawing is a cure.“ Das sprachliche Äquivalent zu zeichnen oder kritzeln ist die Konkrete Poesie

Eine Strömung der Literatur, die mit der Textgestalt von Gedichten expermientiert (wortwuchs.net)

Und dabei reichlich abstrakt daherkommt. Nora Gomringer, deren Vater als Begründer der Konkreten Poesie gilt, ist es gelungen, Sprache, Ton und Bild konkret und zugleich verständlich miteinander zu verquicken, zum Beispiel in der Geschichte vom Wolf oder vom Froschkönig. 2015 gewann Gomringer mit ihrer „Verstörungskömodie“ (FAZ) den Bachmannpreis. Dass sie eine exzellente Sprachdrechslerin ist, zeigt sie auch in einem Interview auf ZEIT Online, wenn sie vom eigenen „Sprachhallraum“ beim Reisen und der Welt als eigentlich „mordende Muschel“ spricht.

Wie Ernst Jandl sagte

Ich verstehe unter dem Spiel mit Sprache eine Voraussetzung für Poesie überhaupt (ZUM-Wiki)

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