Open Access – Laien gestalten für Laien

Seit 12. Mai läuft in der Kunsthalle Hamburg die Ausstellung „Open Access – 13 Blicke in die Sammlung.“ Sie ist Teil einer Initiative, das Museum zu öffnen und weiteren Teilen den Gesellschaft zugänglich zu machen.

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Ein Team aus zwölf Hamburgerinnen und Hamburger, die nichts mit dem Kunstbetrieb zu tun haben, hat die Ausstellungsstücke aus dem Fundus der Kunsthalle selbst ausgewählt und kommentiert. In insgesamt sechs Workshops sind die Teilnehmer, die zu unterschiedlichen Zeiten aus unterschiedlichen Teilen der Welt nach Hamburg gekommen sind, gemeinsam mit dem Direktor der Kunsthalle der Frage nachgegangen: Was ist mir wichtig? Fünf Themen kristallisierten sich dabei heraus

  • Dialog
  • Empowerment
  • Freiheit
  • Gemeinschaft
  • Respekt

Das Team durchforstete den Bestandskatalog nach Kunstwerken, die die Themen am besten widerspiegelten. Es ging dabei um die persönlichen Sichtweisen, um das, was das Kunstwerk bei den Teilnehemrinnen und Teilnehmern auslöste.

Die Kunstwerke wurden aus dem Depot geholt und im Hubertus-Wald-Forum der Kunsthalle gehängt. Sie waren also bisher der Öffentlichkeit nicht – oder schon lange nicht mehr – zugänglich. Was das Ganze zusätzlich spannend macht, sind die Kommentare der Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Auf schwarzen Tafeln neben jedem Kunstwerk kann man nachlesen, was das Wert bei ihnen auslöst und für sie bedeutet. Das eröffnet für den Betrachter ganz neue Sichtweisen.

Zu Sigmar Polkes Bild „Flucht Schwarz – Rot – Gold“ (1997) zum Beispiel regt Quentin Scornet zu folgender Definition von Freiheit an

Freiheit ist, ins Unbekannte springen zu können. Ich mag die Idee, dass das schwarze Netz auf dem Bild uns nicht retten muss. Freiheit ist nämlich auch die Möglichkeit, Sachen ohne Angst machen zu können.

Zum Turmbau von Babel von Hendrik van Cleve III. (1525 – 1590) erzählt Hosein Youssofi die Geschichte von König Nimrod, wie sie im Nahen Osten erzählt wird

König Nimrod hatte gesagt: „Ich bin Gott“. Als er vom Propheten Mohammed hörte, dass es einen anderen, viel größeren Gott gebe, wollte er einen Turm bauen, um diesen von oben aus mit Pfeil und Bogen zu erschießen. Doch er wurde bestraft. Gott schickte eine kleine Fliege, die durch die Nase in seinen Kopf stieg und dort die ganze Zeit  „zzzz“ machte. Daran ist Nimord gestorben.

In Cindy Shermans Bus Rider I – ohne Titel von (1976) sieht Delphine Takwi „eine sehr selbstbewusste Frau“ und erzählt

Ich bin als Fremde, als Migrantenfrau, als 25-Jährige nach Deutschland gekommen. Ich habe mich immer weiterentwickelt, habe die Sprache gelernt und studiere jetzt. Man braucht keinen Mann, man braucht nur Wissen.

Das Schöne ist, jede Besucherin und jeder Besucher wird andere Dinge bemerken, andere Anregungen finden, durch andere Aussagen der dreizehn Teilnehmer dieses Experiments zum Nachdenken gebracht. Es ist nicht nur „Open Access“, es ist auch „Open End“.

Zu der Ausstellung gibt es ein umfassendes Begleitprogramm aus Führungen und öffentlichen Gesprächen. Die Ausstellung läuft noch bis 27. August. Einen Trailer gibt es hier und hier und eine Besprechung im Hamburger Abendblatt hier.

Mit dieser Empfehlung verabschiede ich mich in die Sommerpause.

 

 

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