Phantastischer Ausblick

Nach den Sommerferien, als es noch warm war, habe ich mein Blog auf Eis gelegt. Jetzt, wo es zumindest in manchen Teilen der Welt richtig frostig ist, taue ich es wieder auf. Allerdings mit leicht anderem Ansatz. Ich werde mich in Zukunft auf die Vorstellung und Besprechung von Büchern fokussieren, die grob der Phantastik zuzurechnen sind (Ausnahmen bestätigen die Regel). Das können Neuerscheinungen sein, aber auch Klassiker.

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Dabei interessiert mich insbesondere die Art der Phantastik, die eine wie auch immer geartete Verbindung zu unserer Wirklichkeit hat. Space Opera und High Fantasy fallen zum Beispiel nicht darunter. Dafür aber Romane, die Dietmar Dath in einem Artikel über die Verfilmung von „Cloud Atlas“ als Slipstream bezeichnet hat

Slipstream habe begonnen als „eine ehrgeizigere Sorte SF, die außerhalb der etablierten Tropen arbeiten wollte: Weltraumfahrten, außerirdische Invasoren, Zeitreisen und dergleichen. Die Leute, auf die man sich berief, waren etwa Angela Carter, Paul Auster, Haruki Murakami, Jorge Luis Borges und William S. Burroughs (Christopher Priest, wie von Dietmar Dath zitiert)

Da ich nicht so fleißig bin wie andere Buchbloggerinnen und –blogger, habe ich mir ein Schema ausgedacht, das mir die Bewertung der gelesenen Romane vereinfachen soll. Ich bin noch ein bisschen am Experimentieren, deswegen freue ich mich über Kommentare und Anregungen.

Zunächst einmal die übergeordneten Kriterien zur Einordnung. Dabei bedeuten mehr Sterne nicht automatisch „besser“. In der Regel befinden sich Romane mit einem bzw. fünf Sterne lediglich an unterschiedlichen Enden eines Spektrums.

  • Phantastik-Skala: Wie weit ist die beschriebene Welt von unserer Wirklichkeit entfernt
  • Action-Skala: Wie sehr steht Handlung – im Gegensatz zu Stimmung – im Vordergrund
  • Lesenswert – hier gilt: je mehr Sterne, desto lesenswerter

Die Sternevergabe ist wie folgt

 

Phantastik

* Ziemlich realistisch, unter-scheidet sich nur minimal von unserer Wirklichkeit Collin von Stefan Heym
** Unsere Welt mit ein bisschen Magie beigemengt Lovecraft Country von Matt Ruff
*** Definitiv nicht mehr unsere Welt, aber Bezug v.a. auf Metaebene erkennbar Der Tag des Opritschniks von Vladimir Sorokin
**** Sehr fremd, aber immerhin gelten noch Naturgesetze (mehr oder weniger) Lobgesang auf Leibowitz von Walter M. Miller
***** Extrem abgehoben,  selbst Naturgesetze scheinen nicht mehr zu gelten, Bezug zu unserer Welt auch auf Metaebene nicht so einfach zu erkennen Telluria von Vladimir Sorokin
Action
* Phantastisches spielt sich vor allem im Kopf der Hauptfigur ab St. Petri-Schnee von Leo Perutz
** Es passiert viel im Kopf der Hauptfigur, aber auch um sie herum Briar Rose von Robert Coover
*** Kopfkino und sichtbare Handlung halten sich die Waage 1984 von George Orwell
**** Viel Action mit gelegentlichen Einblicken in die Köpfe der Figuren Lovecraft Country von Matt Ruff
***** Action pur (aber ohne hirnlos zu sein) Der Tag des Opritschniks von Vladimir Sorokin
Lesenswert
* Auslassen
** Na ja
*** Lohnt sich
**** Etwas Besonderes
***** Auf keinen Fall verpassen

 

Die weiteren, spezifischen Kriterien sind

  • Sprache
  • Plot
  • Figuren

Hier gilt ganz klar: Je mehr Sterne, desto besser

Sterne Sprache Plot Figuren
* Sprache? Sätze? Syntax? Kein Plot, kein Plan Nicht ein-dimensional, sondern null-dimensional
** Schwankt zwischen Schmalz und Schwulst Ziemlich zusammen-geschusterte und / oder vorhersehbare Handlung Standard-Ensemble mit den üblichen Klischees
*** Keine sprachlichen Schnitzer, aber auch nichts, was als besonders auffallen würde Straight forward ohne zu langweilen Ausgearbeitete Figuren, die die eine oder andere Überraschung bereithalten
**** Immer wieder hält man inne und sagt: Wow, was für ein tolles Wort, gelungenes Bild, treffender Ausdruck Recht komplexe Handlung mit interessanten Wendungen Außergewöhnliche und interessante Figuren mit tiefem Einblick ins Seelenleben
***** Herausragend, so etwas habe ich zuvor noch nie gelesen Wirklich clever aufgebaut mit vielen überraschenden Wendungen und Einfällen Ich habe das Gefühl, ich kenne und fiebre mit diesen Figuren schon mein Leben lang

Vielleicht fragt sich jetzt der eine oder die andere, warum ich für diese Kriterien keine Beispiele aufführe. Das hat mehrere Gründe. Zum einen, ist es mir zu viel Arbeit sechs schlechte Romane (drei Kriterien mit je einem Beispiel für einen bzw. zwei Sterne) herauszusuchen. Zum anderen bereitet es mir kein Vergnügen, ohne Not – d.h. ohne das Buch zu besprechen und die negative Kritik zu begründen – einen Roman in die Pfanne zu hauen. Schließlich fokussiere ich mich lieber auf die Bücher, die ich mag. Um es mit Michael Noll von Read to Write Stories zu sagen

The thing I have learned through five years of creating exercises for this blog is to read with the expectation that the story, novel, essay, or memoir I’m about to begin will be amazing.

In diesem Sinne wird es hier nicht mehr ganz so häufig wie bisher, aber doch regelmäßig mit phantastischen Büchern weitergehen.

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