Matt Ruff: Lovecraft Country

Mit Matt Ruff möchte ich meine Vorstellung phantastischer Bücher beginnen. Ein #bookstagram habe ich bereits dazu gepostet. Zunächst einmal, was der Verlag dazu zu sagen hat:

Klappentext: Atticus Turners Gefühle für seinen Vater waren schon immer zwiespältig. Doch als der verschwindet, macht Atticus sich wohl oder übel auf die Suche. Auch wenn die Spur nach „Lovecraft Country“ in Neuengland führt, Mitte der 50er Jahre ein Ort der schärfsten Rassengesetze in den USA. Mit Hilfe seines Onkels George, Herausgeber des „Safe Negro Travel Guide“, und seiner Jugendfreundin Letitia gelangt Atticus bis zum Anwesen der Braithwhites. Hier tagt eine rassistische Geheimloge, mit deren Hilfe Braithwhite junior nichts weniger als die höchste Macht anstrebt. Matt Ruff erzählt mit überbordender Phantasie und teuflischem Humor die wahnwitzigen Abenteuer einer schwarzen Familie.
© Hanser Literaturverlag – Übersetzt von Anna Leube und Wolf Heinrich Leube

Ich liebe Matt Ruff. Ich liebe seine lebendigen Figuren, seine ausgefallenen Ideen und vor allem liebe ich, wie er selbst über die „schwersten“ Themen – in diesem Fall Rassismus – in geradezu leichtfüßiger Sprache erzählt. (Ich habe den Roman auf Englisch gelesen, deswegen kann ich nichts zur Übersetzung sagen).

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(c) Cover Foto: Harper Perrenial – Hintergrundfoto: Skulptur von H R Giger

Schon auf der ersten Seite wird der alltägliche und lebensbedrohende Rassismus der 1950er so greifbar dargestellt, dass es mir buchstäblich kalt den Rücken hinunter lief. Atticus Turner kann sich nicht einfach von A nach B bewegen, unterwegs irgendwo anhalten, um etwas zu essen, zu einer Werkstatt fahren, um einen Reifen zu wechseln. Er muss im „Safe Negro Travel Guide“ nachschlagen, wo er willkommen ist und wo man vermutlich sofort auf ihn schießt.

Als sein Vater im Auto eines Weißen verschwindet, macht er sich zusammen mit seinem Onkel und seiner Jugendfreundin Letitia auf den Weg nach „Lovecraft Country“, das nicht umsonst diesen Titel trägt. So sehr Atticus die Geschichten Lovecrafts verschlungen hat, so sehr war ihm auch bewusst, was für ein ausgemachter Rassist Lovecraft war.  Die Reise wird äußerst gefährlich. Mit viel Witz und Verve begegnen Atticus und seine Freunde den Angriffen der übermächtigen Geheimloge, die Atticus‘ Vater gefangen hält.

Der Roman selbst ist in acht, für sich alleine stehende Episoden unterteilt, in der jeweils eine andere Figur aus Atticus Turners Umfeld im Mittelpunkt steht. Allen gemeinsam ist die Liebe zu den Naturwissenschaften und dem Phantastischen. So schleicht sich zum Beispiel Atticus‘ Tante Hippolyta während ihrer Nachforschungen für den „Safe Negro Travel Guide“ in Sternwarten ein, um nach Planeten zu suchen. Ganz nebenbei erfährt man dabei die Geschichte von der Entdeckung des Planeten Pluto.

Das Ganze wird zunächst lose, dann zunehmend dichter durch Atticus‘ Kampf gegen die Geheimloge und deren Anführer Caleb Braithwhite zusammengehalten. Genau genommen würde man gern von jeder der Figuren einen ganzen Roman lesen, so lebhaft, interessant und vielschichtig sind sie dargestellt.

Im Nachwort erklärt Ruff, dass er den Roman ursprünglich als TV-Serie konzipiert hat. Da kann man nur hoffen, dass Netflix den Roman möglichst bald aufgreift.

Phantastik Skala: ** — abgesehen von den magischen Ereignissen rund um die Braithwhites wirkt alles andere, insbesondere der Rassismus, dem Atticus und seine Familie ständig und nahezu überall ausgesetzt, (leider) sehr realistisch

Action Skala: *** — die Helden haben viele Abenteuer zu bestehen, das macht den Roman unterhaltsam, zugleich bereitet es eine große Freude, den Figuren beim Nachdenken über die Welt an sich und ihr Leben im Besonderen zuzuhören. Das macht das Buch erkenntnisreich.

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